Noch immer ist keine Entscheidung über den Sporthallenbau an der Eliteschule gefallen

Sporthalle

Kaiserslautern hat eine heiße Kartoffel

Hintergrund: Noch immer ist keine Entscheidung über den Sporthallenbau an der Eliteschule gefallen

KAISERSLAUTERN. Stillstand ist Rückschritt. Das schwant Schulleitung und Trainern am Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern in Sachen Neubau einer multifunktionalen Sporthalle. Vor genau einem Jahr haben die Netzwerker am Sportzentrum Pfalz mit ihrem Hilferuf auf die Hallenmisere an der Eliteschule des Sports aufmerksam gemacht. Passiert ist seither so gut wie – nichts!Die Notwendigkeit einer neuen Halle ist unbestritten. Die Radsportler, zumindest die sechs Kaderangehörigen, fahren noch immer die 725 Kilometer nach Frankfurt/Oder. „In Köln wird die Radrennbahn renoviert, in Büttgen auch, in Schwerin wird sogar neu gebaut. Wenn wir nicht bald was machen, sind unsere Sportler weg“, sagt Erfolgscoach Frank Ziegler. Und Badmintontrainer Christian Stern erläutert: „Jedes Turnier wird in einer höheren als unserer derzeitigen Halle gespielt. Wir müssen Bewegungen imitieren, das macht koordinativ keinen Sinn mehr.“ Zwei von zig Argumenten für einen Neubau, von dem viele profitieren werden: der normale Schulsport, der Nachwuchsleistungssport, der Hochschulsport und die Sportwissenschaft. Allein am HHG gibt es 850 Schüler im gewöhnlichen Schulsport, darunter 350 Eliteschüler in den Sportarten Radsport, Badminton, Judo, Leichtathletik, Tennis, Handball, Fußball und bald auch Sportklettern. „Die Federführung für das Projekt hat das Bildungsministerium“, heißt es lapidar aus dem Innenministerium, dessen Chef Roger Lewentz am 25. Januar in Kaiserslautern sagte: „Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz hat den konkreten Auftrag bekommen, die Halle zu planen. Es geht voran.“ Diesen konkreten Auftrag kann der LBB nicht bestätigen. „Die LBB-Niederlassung Kaiserslautern hat das Heinrich-Heine-Gymnasium im zweiten Quartal 2020 bei der Planung und Aufstellung des Raumprogramms für die zukünftige Multifunktionssporthalle unterstützt. Im Projektfortgang steht der Landesbetrieb LBB für weitere Planungsleistungen zur Verfügung“, lautet die vorsichtige LBB-Antwort auf eine RHEINPFALZ-Anfrage und verwies an das Bildungsministerium. Und das funkte: „Das Heinrich-Heine-Gymnasium hat als Eliteschule des Sports eine hervorgehobene Bedeutung in der rheinland-pfälzischen Schul- und Sportlandschaft. Ein solches Großprojekt wie der Hallenneubau wird nicht in Wochen oder Monaten aus dem Fels gehauen. Konkreter können die Planungen aber erst werden, wenn das Gesamtkonzept steht. Hierzu stehen alle Beteiligten aber in gutem Austausch.“ Na prima! Einen Austausch gibt es in der Tat. Vor allem auf der Arbeitsebene, wie Sportzweigleiter Jan Christmann bestätigte, der sich vom Landessportbund hervorragend unterstützt sieht. Und der ist „in großer Sorge um die Zukunft des Standortes Kaiserslautern“. Christmann: „Bei kleineren Projekten haben wir eine guten Austausch und werden perfekt unterstützt. Wir haben den vielleicht besten Athletikraum in Rheinland-Pfalz. Aber in Sachen Multihalle ist es gefühlt so, dass sich der Prozess verzögert. Der Handlungsdruck nimmt aber für uns zu“. Seine Hausaufgaben hat das HHG gemacht, einen qualitativen Bedarfsantrag mit über 200 Seiten abgegeben, in Abstimmung mit den jeweiligen Sportverbänden. „Wir hängen uns alle rein, in den Coronazeiten haben sich viele Sportler sogar erheblich verbessert.“ Aber er weiß nur zu gut, welche formalen Prozesse noch zu erledigen sind und dass der LBB nicht einfach so losschießen kann, bevor es keine Standortanalyse gibt. Schulleiter Ulrich Becker fordert: „Wir brauchen diese Halle, sonst sind früher oder später alle weg. Will man das aufhalten, muss es endlich ein Signal geben.“ Derzeit aber ist die Multihalle für Becker eher eine „heiße Kartoffel“. Unmissverständlich betont er: „Schule ist Bildung, Leistungssport ist Bildung. Wir wollen Schule und Leistungssport verantwortbar verbinden.“ Das Projekt liegt nicht mehr in Schubladen, sondern längst auf den Schreibtischen in Mainz: eine multifunktionale Halle mit einer 200 Meter langen Radrennbahn, zentimetergenau vom Kaiserslauterer Architekten Harald Lang in einen freien Platz am HHG hinein geplant. Arne Güllich, der Institutsleiter Sportwissenschaft an der TU Kaiserslautern, nannte es ein „Meisterwerk“. Die Trainer hoffen und mahnen. Ihnen brennt es unter den Nägeln. Christian Stern hat kurz vor Weihnachten einen Wunsch: „Wir brauchen einen Strang, an dem wir gemeinsam ziehen. Einen Funken Hoffnung. Keine Entscheidung ist halt auch eine Entscheidung.“ Und Frank Ziegler betont: „Wir Sportler und Trainer wollen so nicht weiterwurschteln.“

 

Kommentar von Klaus Kullmann:

 

Jetzt! Oder nie?

Schon klar, wir alle hangeln uns sorgenvoll und unsicher durch die schwierige Zeit einer Pandemie. Da muss das ein oder andere Alltägliche auch mal langsamer gehen dürfen. Dennoch: Das Coronavirus ist nicht die Ursache dafür, dass das Heinrich-Heine-Gymnasium und das Sportzentrum Pfalz in Kaiserslautern mit dem erhofften Neubau einer multifunktionalen Sporthalle allein gelassen werden. Eher grobe Abstimmungsprobleme in den Ministerien sind der Grund dafür. Seit 1977 gibt es am HHG eine starke Leistungssportförderung. Sie ist dort das Herzstück. 350 Eliteschüler aus ganz Deutschland versuchen sich am HHG in ihrer dualen Karriere. „Sportler sind für uns Partner“, sagt Trainer Frank Ziegler, „wir zeigen ihnen nicht jeden Tag, was sie nicht können, sondern wir zeigen ihnen, wo ihre Stärken sind.“ Das HHG übernimmt in der Leistungsgesellschaft Verantwortung in Sachen Bildung. Also will das HHG auch ernstgenommen werden. Das größte, vielleicht das einzige Problem in Sachen Sporthalle ist: Wer zahlt? Es geht um Planung, Bau und Unterhalt. Das ist keine neue, sondern eher eine tägliche Frage in unserer Gesellschaft. Und es braucht eine klare Antwort auf eine zweite Frage: Was ist der Landespolitik der Leistungssport wert? Auch diese kann man partnerschaftlich beantworten. Oder transparent und fair.