Radsport: In der "Badewanne" geht es wieder rund

Dudenhofen 2020

In der „Badewanne“ geht’s wieder rund

Radsport: Bundestrainer Jörg Winkler macht Abstecher in den Trainingsalltag am Bundesstützpunkt Dudenhofen

DUDENHOFEN. In der „Badewanne“ steht die Hitze. Aber egal. Es geht rund, die Bahn-Rennräder ohne Bremsen und Leerlauf rollen wieder. Die Athleten empfinden das als großes Glück. Davon hat sich am Dienstag Bundestrainer Jörg Winkler in Dudenhofen überzeugt, an einem von fünf Bundesstützpunkten im Bahnradsport.„Es muss ja alles weiter gehen. Die Sportler brauchen eine Perspektive, sonst wird das ja nichts. In den Tag hineinleben, das geht nicht“, sagte Winkler, der für zwei Tage aus Hamburg in die Pfalz kam. Am Montag schaute er sich das Krafttraining an, gestern das Bahntraining. Winkler war schon in Schwerin, folgen werden Erfurt, Cottbus und Chemnitz. Momentan kann er noch keine gemeinsame Maßnahme für die Juniorensportler planen, wie das gerade seit Montag bis Pfingsten für die Elite und U23 in Cottbus möglich ist. „Hier in Kaiserslautern und Dudenhofen läuft es sehr gut, bei Frank Ziegler geht es immer familiär zu“, lobte Winkler die Gruppe des Landestrainers: „Die Athleten sind motiviert, sie freuen sich, wenn man sich um sie kümmert.“ Sophie Deringer vom RV 08 Dudenhofen und Henric Hackmann vom RV Kerzenheim wären Kandidaten für die Junioren-Weltmeisterschaften im Juli in Kairo gewesen. Diese ist aber abgesagt. „Jetzt hoffen wir, dass wenigstens die EM in Anadia in Portugal stattfinden“, sagt Sophie Deringer, die mehrfache deutsche Meisterin aus Römerberg. „Man braucht Ziele. Ohne Ziele ist es schwer, sich zu motivieren“, erklärte sie, „ich bin jetzt richtig froh. Ich hatte das Gefühl vermisst, auf der Bahn zu fahren. Aber die Bahn ist für mich Heimat.“ Das Coronavirus hat alles durcheinandergebracht. Jetzt kommt der lahmgelegte Sportbetrieb wenigstens wieder langsam in die Trainingsphasen. Nicht ohne Regeln – Masken an, Abstand halten, daheim duschen und, und, und. „Die Regeln sind nicht umsonst gemacht, wir halten uns strikt daran“, erläuterte Frank Ziegler. Seine Trainingsgruppe hat er zweigeteilt, weil immer nur fünf Leute zusammen trainieren dürfen. Auf den Rollen wird sich einzeln warmgefahren. Aber die Laune lässt sich keiner verderben. Es gibt wie immer Kaffee und Kuchen. Imgrunde läuft momentan alles nur sechs Wochen später an. Nur: Die Wettkämpfe fehlen, und das tut weh. Ziegler: „Wichtig wäre es jetzt, dass wenigstens die deutschen Meisterschaften nachgeholt werden. Sie waren für Anfang Juli in Köln geplant. Notfalls weichen wir im Herbst oder Winter auf eine überdachte Bahn in Frankfurt/Oder oder Büttgen aus. So ist der Plan.“ Und die Junioren-EM in Anadia? Auch für Frank Ziegler sind sie ein Hoffnungsschimmer. Außerdem wird tatsächlich an einem Konzept gearbeitet, den Grand Prix in Dudenhofen im August laufen zu lassen, mit Rennen in Friesenheim und Schopp davor und danach. Kommt Zeit, kommt Rat. Mit Bundestrainer Winkler ist auch der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Patrick Moster, nach Dudenhofen gekommen. „Der BDR hofft darauf, im September mit Wettkämpfen starten zu können, etwa mit einem Einzelzeitfahren im Nachwuchsbereich auf der Straße. Aber wir sind nicht nur mehr auf das Wohl der Verkehrsbehörde, sondern auch auf das der Gesundheitsbehörden angewiesen.“ Moster machte gute Miene zum bösen Spiel: „Im Sinne der Sportler müssten so schnell wie möglich Wettkämpfe stattfinden. Es gibt da natürlich einen gewissen Neid auf die Fußballer. Da sieht man sehr schön, was möglich ist und wie schwer sich Deutschland mit den anderen Sportarten tut.“