Corona & Kunst: Theater-III-Additum

Ich schau dir in die Augen, du unsäglich sinnvoller Mindestabstand!

Ursprünglich hatten die Schüler*innen des Theater-III-Additums vor, ihre unmittelbare Lebenswelt ad absurdum zu führen. Mit Szenen verschiedener Autor*innen und einer selbstentwickelten Performance wollten sie herausfinden, was sich offenbart, wenn die Dinge ihres vermeintlichen Sinns beraubt, wenn Gewohnheiten fragwürdig gemacht werden. Die Frage stand im Raum, ob sich da etwas verbirgt. Da, hinter einer scheinbar absurden Alltagsrealität.

Die Realität war allerdings schneller. Corona kam – die Schüler*innen gingen. Mussten gehen. Nach Hause. Und als dann doch einige von ihnen wieder zurück in die Schule durften, hatte sich der Raum verändert. Plötzlich war alles weiter weg. Luftleere einskommafünf Meter weiter weg. Was also tun? Rumsitzen und die Luft anhalten? Nein, viel besser: Handykameras zücken und draufhalten. Auf diese einskommafünf Meter. Dieses Vakuum.

Gefangen im Hausarrest, hin- und hergeworfen zwischen Online-Hausaufgaben und neuen (Mindestabstands-)Regeln haben sich die Jugendlichen also in ihrer nächsten Nähe umgeschaut und festgehalten, was ihnen entgegensprang. Aus diesen Fundstücken ist ein Film entstanden. Ein kleiner dokumentarischer Essay über jugendlichen Optimismus und Lebenswillen, über Sinn und Unsinn verordneter Verhaltensregeln und über das menschliche Talent, selbst in der scheinbar sinnlosesten Situation noch etwas zu finden, das Bedeutung haben könnte. Denn einskommafünf Meter beinhalten eine ganze (absurde) Welt!

(Hannelore Bähr & Martin Schultz-Coulon)