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Radsport: In der "Badewanne" geht es wieder rund

Dudenhofen 2020

In der „Badewanne“ geht’s wieder rund

Radsport: Bundestrainer Jörg Winkler macht Abstecher in den Trainingsalltag am Bundesstützpunkt Dudenhofen

DUDENHOFEN. In der „Badewanne“ steht die Hitze. Aber egal. Es geht rund, die Bahn-Rennräder ohne Bremsen und Leerlauf rollen wieder. Die Athleten empfinden das als großes Glück. Davon hat sich am Dienstag Bundestrainer Jörg Winkler in Dudenhofen überzeugt, an einem von fünf Bundesstützpunkten im Bahnradsport.„Es muss ja alles weiter gehen. Die Sportler brauchen eine Perspektive, sonst wird das ja nichts. In den Tag hineinleben, das geht nicht“, sagte Winkler, der für zwei Tage aus Hamburg in die Pfalz kam. Am Montag schaute er sich das Krafttraining an, gestern das Bahntraining. Winkler war schon in Schwerin, folgen werden Erfurt, Cottbus und Chemnitz. Momentan kann er noch keine gemeinsame Maßnahme für die Juniorensportler planen, wie das gerade seit Montag bis Pfingsten für die Elite und U23 in Cottbus möglich ist. „Hier in Kaiserslautern und Dudenhofen läuft es sehr gut, bei Frank Ziegler geht es immer familiär zu“, lobte Winkler die Gruppe des Landestrainers: „Die Athleten sind motiviert, sie freuen sich, wenn man sich um sie kümmert.“ Sophie Deringer vom RV 08 Dudenhofen und Henric Hackmann vom RV Kerzenheim wären Kandidaten für die Junioren-Weltmeisterschaften im Juli in Kairo gewesen. Diese ist aber abgesagt. „Jetzt hoffen wir, dass wenigstens die EM in Anadia in Portugal stattfinden“, sagt Sophie Deringer, die mehrfache deutsche Meisterin aus Römerberg. „Man braucht Ziele. Ohne Ziele ist es schwer, sich zu motivieren“, erklärte sie, „ich bin jetzt richtig froh. Ich hatte das Gefühl vermisst, auf der Bahn zu fahren. Aber die Bahn ist für mich Heimat.“ Das Coronavirus hat alles durcheinandergebracht. Jetzt kommt der lahmgelegte Sportbetrieb wenigstens wieder langsam in die Trainingsphasen. Nicht ohne Regeln – Masken an, Abstand halten, daheim duschen und, und, und. „Die Regeln sind nicht umsonst gemacht, wir halten uns strikt daran“, erläuterte Frank Ziegler. Seine Trainingsgruppe hat er zweigeteilt, weil immer nur fünf Leute zusammen trainieren dürfen. Auf den Rollen wird sich einzeln warmgefahren. Aber die Laune lässt sich keiner verderben. Es gibt wie immer Kaffee und Kuchen. Imgrunde läuft momentan alles nur sechs Wochen später an. Nur: Die Wettkämpfe fehlen, und das tut weh. Ziegler: „Wichtig wäre es jetzt, dass wenigstens die deutschen Meisterschaften nachgeholt werden. Sie waren für Anfang Juli in Köln geplant. Notfalls weichen wir im Herbst oder Winter auf eine überdachte Bahn in Frankfurt/Oder oder Büttgen aus. So ist der Plan.“ Und die Junioren-EM in Anadia? Auch für Frank Ziegler sind sie ein Hoffnungsschimmer. Außerdem wird tatsächlich an einem Konzept gearbeitet, den Grand Prix in Dudenhofen im August laufen zu lassen, mit Rennen in Friesenheim und Schopp davor und danach. Kommt Zeit, kommt Rat. Mit Bundestrainer Winkler ist auch der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Patrick Moster, nach Dudenhofen gekommen. „Der BDR hofft darauf, im September mit Wettkämpfen starten zu können, etwa mit einem Einzelzeitfahren im Nachwuchsbereich auf der Straße. Aber wir sind nicht nur mehr auf das Wohl der Verkehrsbehörde, sondern auch auf das der Gesundheitsbehörden angewiesen.“ Moster machte gute Miene zum bösen Spiel: „Im Sinne der Sportler müssten so schnell wie möglich Wettkämpfe stattfinden. Es gibt da natürlich einen gewissen Neid auf die Fußballer. Da sieht man sehr schön, was möglich ist und wie schwer sich Deutschland mit den anderen Sportarten tut.“

Badminton: Steiniger Weg zum Erfolg führt durch die Badmintonhalle

Badminton Boveska

Steiniger Weg zum Erfolg führt durch die Badmintonhalle

Maria Boevska war 16 und hatte einen Traum: Sie wollte Badmintonprofi werden. Und Trainerin. Im Trainingslager in ihrem Heimatland Bulgarien kam sie mit den Coaches des Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kontakt, wurde zum Probetraining eingeladen. Sie ließ ihre Familie zurück, ging nach Deutschland und startete einen Weg, der steinig war und jetzt, vier Jahre später, zu einem ganz anderen Ziel führt.

Maria kennt jeder im Heinrich-Heine-Gymnasium. Die Lehrer schwärmen von ihr und ihrem Ehrgeiz, sie hat viele Freundinnen. „Wenn sie in die Halle kommt und lächelt, erhellt sie die ganze Halle“, sagt Badmintontrainer Christian Stern. Seine Kollegen von der Eliteschule des Sports erkundigen sich regelmäßig bei ihm, wie ihr geht und machen sich Sorgen, weil Maria Boevska im Moment coronabedingt in Bulgarien feststeckt. Sie vermissen die Sportlerin und Kämpferin, die so hart an sich und ihren Zielen arbeitet und hoffen, dass sie bald wieder nach Kaiserslautern kommt. Seit die Schule geschlossen wurde, sie in ihre Heimat zurückmusste, ist die Bulgarin per Videochat und Telefon mit ihren Klassenkameraden verbunden, wurde auch schon im Unterricht zugeschaltet, und alle haben sich gefreut, wie sie im Videochat mit der RHEINPFALZ erzählt. Nach vier Jahren in Deutschland, wohin sie für ihren Traum ausgewandert ist und in denen sie gerade mal drei Wochen zu Hause war, ist sie wieder daheim bei ihren Eltern, Geschwistern und bei ihrem Freund. Vorübergehend. Denn sie will und wird zurückkommen und an ihren großen Zielen weiterarbeiten. Jenes Trainingslager vor vier Jahren in Bulgarien hat ihr Leben verändert. Maria Boevska, die mit elf Jahren zum ersten Mal Badminton spielte, als ihre Mutter sie zum Sommerferienkurs anmeldete, wusste schnell, dass sie Talent hat. Ein Jahr später spielte sie die ersten Turniere. Ihr Vater, der sie zu den Wettbewerben fuhr, erklärte ihr aber bald, dass sie nur Profi werden könne und er sie nur fahren würde, wenn sie hart trainiert. Die Schülerin nahm sich das zu Herzen, arbeitete für ihren Sport genauso hart wie für die Schule. Sie hatte die besten Noten im Fremdsprachengymnasium, wo sie Deutsch lernte, schaffte es im Badminton in den Jugendnationalkader und hatte einen Sponsorenvertrag, als ihre Eltern sie zum Trainingslager mit den deutschen Talenten schickten. Am Ende fiel sie Stützpunkttrainer Stefan Ljutzkanov auf, der zu der Zeit am Heinrich-Heine-Gymnasium unterrichtete. Er sprach mit ihrem Vater, und Maria Boevska wurde zum Probetraining nach Kaiserslautern eingeladen. Eine aufregende Zeit„Es war sehr aufregend“, erinnert sie sich an die eine Woche in einem fremden Land, in dem sie kaum was verstand, wo sie niemanden kannte außer Stefan Ljutzkanov und seinen Kollegen Christian Stern, die beim Trainingslager dabei waren. Stern erinnert sich nur allzu gut an das erste Training am HHG. Die 16-Jährige rief plötzlich verzweifelt bei ihm an, weil sie vor der Halle stand und trainieren wollte, aber keiner kam. Vor lauter Aufregung und nach 22 1/2 Stunden Fahrt im Auto hatte sie die Zeitumstellung nicht mit eingerechnet, stand um 5 Uhr morgens vor verschlossenen Türen und wollte trainieren. Sie war froh, dass Ljutzkanov, der Bulgare ist, ihre Sprache verstand. „Ich wusste erst nicht, ob ich Deutsch oder Englisch mit ihr sprechen soll“, erinnert sich Stern. „Mein Englisch war noch schlechter als mein Deutsch“, sagt die Schülerin, die aber seitdem hart an sich gearbeitet hat. Sechs Monate ZitternSechs Monate musste sie nach der Probewoche zittern und warten, bis die Zusage kam, dass ihr Traum wahr werden kann. „Ich wollte Profispielerin werden. Und Trainerin. Und ich wollte in Deutschland studieren.“ Das Land kannte sie nur aus den Erzählungen ihres Vaters. „Mein Vater hat gesagt, wenn du dein Hobby zum Beruf machen kannst, ist das das beste.“ Das Training dort gefiel ihr. „Es war ganz anders als bei uns.“ Und auch die Kombination aus Schule und Training war viel besser. „Bei uns war Unterricht bis 14, 15 Uhr, dann habe ich von 16 Uhr bis spätabends trainiert. Da war keine Zeit für Hausaufgaben, keine Zeit für Pausen im Training.“ Dann kam die Nachricht aus Kaiserslautern. Sie hatte drei Tage Zeit, um sich von der Schule, von der Familie zu verabschieden. Nach fast 24 Autostunden Fahrt mit ihren Eltern war sie plötzlich an einem anderen Ort. Und das Aufwachen war ziemlich hart. „Ich hatte am Anfang Kopfschmerzen, Mund und Ohren taten weh, weil ich so versucht habe, mich zu konzentrieren, richtig zu sprechen, alles zu verstehen. Es war so anstrengend.“ Im Unterricht verstand sie kaum etwas. Und wären da nicht Ciara und Corinna in ihrer Klasse gewesen, die ihr immer wieder halfen, und die Erzieherinnen im Internat, die sich um sie kümmerten, sie wäre verzweifelt. Im Training war sie die Neue, die anderen kannten sich alle, und wenn sie was unternahmen, war sie nicht dabei. „Ich habe mich isoliert gefühlt, aber ich habe sie verstanden“, sagt die heute 20-Jährige, die mittlerweile feststellt: „Ich habe zum ersten Mal richtige Freunde gefunden.“ In ihren Augen ging alles viel zu langsam. „Ich wollte nach drei Jahren akzentfrei Deutsch sprechen, und mein Deutsch ist immer noch zu schlecht. Und ich bin nicht gut genug im Badminton“, findet die Bulgarin. Ihr Trainer Christian Stern sieht das ganz anders: „Ihr Deutsch ist Wahnsinn. Wir haben im Badmintontraining keinen, der so explosiv ist in seinen Bewegungen“, findet er und fügt an: „Sie ist eine harte Arbeiterin.“ Maria Boevska weiß, dass Kraft und Ausdauer ihre Stärke waren, als sie herkam, dass sie aber an der Technik arbeiten musste. Das fiel ihr schwer. „Ich habe lange gebraucht, um die Schläge zu kontrollieren. Nach dem zweiten Jahr in Deutschland habe ich eine Entwicklung gesehen.“ „Sie jammert auf hohem Niveau“, findet ihr Trainer. Während die Bulgarin, die zum Landeskader gehört und für den SV Fischbach in der Zweiten Bundesliga spielt, damit hadert, dass die Konkurrenz aus den anderen Ländern so gut ist. Nächstes Ziel: AbiturSie versucht, nüchtern zu bleiben und realistisch. „Ich bin jetzt 20, trotzdem in der zwölften Klasse“, analysiert sie. Dass sie wegen Problemen mit der Sprache eine Klasse tiefer einsteigen musste, nahm sie damals in Kauf. Dass sie plötzlich Zweier oder Dreier statt Einsern hatte, fiel ihr schon schwer. Aber sie arbeitet dann eben umso härter. Ihr nächstes Ziel ist das Abitur. Um dafür gut vorbereitet zu sein, will sie nächste Saison beim SV Fischbach kürzertreten, nur noch im Notfall aushelfen. Denn ihr Weg gibt ihr vor, dass sie in Deutschland studieren will. Wenn sich auch einiges an ihren ursprünglichen Plänen geändert hat. „Meine Pläne haben sich oft verändert. Ich wollte Badmintontrainerin werden, Sport studieren, Physiotherapeutin werden, Sportmanagement studieren ...“ Inzwischen zeichnet sich ein klares Bild ab. In der coronabedingten Zwangspause in Bulgarien hat sie, um ihr Englisch zu verbessern, einen Englischkurs gestartet. Und sie hat sich für einen Grafikkurs angemeldet, der sie begeistert. „Ich liebe Badminton. Das ist mein Leben bis jetzt. Ich habe aber auch Erfolge in anderen Bereichen. Ich will nicht mehr Profi werden. Ich will gern meinen Verein haben und meine Spiele, möchte mich weiterentwickeln und an Turnieren teilnehmen, bei der Senioren-EM der Erwachsenen. Ich werde weiter Badminton spielen, mein ganzes Leben vielleicht, aber nicht mehr auf diesem Niveau. Nur zum Spaß. Ich will mein Abitur in Kaiserslautern machen, mich dann für die Uni bewerben, eventuell ein Fernstudium im Bereich Grafikdesign an einer deutschen Uni machen.“ FamilienzeitDie Zeit in Bulgarien hat sie zusammenwachsen lassen mit ihrer Familie, ihren zwei jüngeren Geschwistern. Erst seit ein paar Tagen darf sie wieder nach draußen, spielt Badminton mit ihrem kleinen Bruder auf einem gezeichneten Feld, hat ihren Freund das erste Mal seit über einem Monat wieder gesehen. Sie lernt über die Onlineplattform für die Schule, trainiert nach den Anleitungen von Christian Stern per Video, wartet, bis die Kontaktsperren gelockert werden, sie wieder nach Deutschland darf ohne Angst, dass sie nicht mehr nach Bulgarien zurückkommt. „Ich will wieder in der Halle sein, wieder Badminton spielen, wieder richtig schwitzen. Und ich will so vielen Menschen wie möglich zeigen, wie toll Badminton ist. Das ist der schwierigste Sport, den es gibt. Mit viel Technik, viel Kampf, und es ist sehr gut für die eigene Entwicklung.“

Schulbuchliste 2020/2021

 

Hier, sowie unter dem Menüpunkt "Downloads" finden Sie die aktuelle Schulbuchliste 2020/2021:

 

pdf Schulbuchliste 2020/2021

 

 Aktualisierung am 23.06.2020

HHG bei Fernsehsendung "Luke - Die Schule und ich"

Unsere Schule war ausgewählt worden, um bei der Sendung "Luke - Die Schule und ich" gegen Luke Mockridge anzutreten. Leider konnten die durch Sat1 ausgewählten HHG-Schüler aus Mittel- und Oberstufe corona-bedingt nicht antreten. An ihrer Stelle spielten Prominente.

Schaffte es denn das Team „Kids“, mit der Schauspielerin Anna Thalbach und dem Sänger Max Giesinger, die „Vips“ zu besiegen? Das Team „Vips“ war stark aufgestellt - es spielten Fernsehkoch Frank Rosin und der Schauspieler Christoph Maria Herbst gegen die „Kids“, sodass die Aufregung zu Hause bei den Schülerinnen und Schüler der Eichenwall Grundschule in Leer sowie beim Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern groß war.

 

https://www.sat1.de/tv/luke-die-schule-und-ich-vips-gegen-kids/video/45-eichenwald-grundschule-leer-und-heinrich-heine-gymnasium-clip 


Welches Team es geschafft hat, kann man am Freitag, den 15. Mai 2020, um 20:15 Uhr in Sat.1 sehen. 

Luke die Schule und ich Staffel 4 / Fotos: Brainpool/Willi Weber / Christoph M. Herbst, Anna Thalbach, Max Giesinger, Frank Rosin, Dennis aus Hürth, Konrad Stöckel, Luke Mockridge©Brainpool/Willi Weber

Judo: Judo und Abstand? - Geht nicht!

Judo Bericht

Judo und Abstand? Geht nicht!

Judo: Abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen dürfen Kampfsportler nicht ins Dojo – HHG-Trainer Scherbaum sieht neben der Technik auch die Kraft schwinden

Kaum ein Sport wird durch Corona so massiv ausgebremst wie Judo. Wenn Abstand verlangt wird und Anfassen verboten ist, dann geht beim Judo weniger als nix. „Ziemlich schrecklich“, umschreibt Uli Scherbaum, Lehrertrainer an der Sporteliteschule, dem Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) in Kaiserslautern, die noch immer anhaltende Lage im Judobereich.Judo, bekanntlich der sanfte Weg zum Sieg, hat seit Wochen schlechte Karten. Judotraining, das bedeutet zwei Judokas fassen sich an, hieven sich gerne mal gegenseitig auf die Hüften, kämpfen dicht an dicht am Boden. Corona hat was dagegen und fordert von allen und jedem Abstand. Abstand und Judo, das funktioniert nun mal nicht. Also gibt es seit Wochen kein Judotraining, nicht in den Vereinen, nicht an den Stützpunkten und natürlich auch nicht im Dojo am HHG. Auch die dortigen Krafträume sind seit Wochen gesperrt. „Klar, wir schreiben Trainingspläne für zuhause, es gibt Links und gute anschauliche Videos, wie sich daheim bewegt werden kann“, verweist Judotrainer Uli Scherbaum darauf, dass jeder Einzelne nun an sich arbeiten muss. Nur, und da lässt Scherbaum, der am HHG nicht nur Judo trainiert, sondern auch Biologielehrer ist, keinen Zweifel, „wenn Judotraining wieder möglich sein wird, dann fangen wir zwar nicht ganz bei null an, aber wenn es gut gelaufen ist, ist noch 50 Prozent der Leistungsfähigkeit da!“ Und damit meint der Trainer nicht nur den Stand der Judotechnik, für den zwingend der Partner, dicht an dicht, gebraucht wird. Vor allem bei den jüngeren Judokas, so die Befürchtung Scherbaums, werden auch die Kondition, die Kraft und die Koordination ziemlich verlustig sein. Einen Vorwurf will er da aber gar nicht machen. Scherbaum hat Verständnis für die Sportschüler, die über Wochen täglich stundenlang daheim mit Schularbeiten kämpfen mussten, meist alleine auf sich gestellt und ohne nach einheitlichen Regeln greifen zu können, um dem Wust der unterschiedlichen Fächer Herr oder Frau werden zu können. Der als Angebot gedachte Trainingsplan sei da bei einigen nicht gut angekommen. „Stephan Hahn und ich haben immer mal wieder rumtelefoniert, wollten wissen, wie es den Schülern geht“, berichtet Scherbaum davon, dass er gemeinsam mit seinem HHG-Trainerkollegen vielfach den Frust der nach Hause verbannten Judokas heraushören konnte. Die ersten Schüler sind mittlerweile am HHG zurück, in den Klassensälen, nicht im Dojo (wir berichteten). „Wen ich auch gefragt habe, alle sind froh, dass die Schule weitergeht“, so Scherbaum, der inständig auf die inzwischen angekündigten Lockerungen im Sportbereich hofft und darauf, dass die bald auch für Judo gelten. Einige wenige Ausnahmen gibt es schon eine Weile. So dürfen etwa Jasmin Grabowski, am HHG als Jasmin Külbs in die Weltspitze vorgedrungen und in der Vorbereitung auf Olympia, genau wie der ehemalige HHGler Alexander Wieczerzak am Olympiastützpunkt in Köln unter strengen Auflagen trainieren. Immer nur mit dem gleichen Partner und pro Tag eine Stunde und natürlich während dieser Zeit ganz alleine im großen Kölner Dojo. Nicht viel Judo für die Olympionikin und den ehemaligen Weltmeister. Aber immerhin wird beiden ein minimales Gefühl von Judo erlaubt. Simon Schnell, ein weiterer ehemaliger HHG-Judoka, heute Athletiktrainer beim Deutschen Judobund, zeichnet für einige Trainingsvideos, zu sehen unter https://www.judobund.de/corona-news/judotraining-deluxe/, verantwortlich. „Schon gut, was Simon da macht“, so Uli Scherbaum. Aber auch das ist halt nur ein Teil des Ganzen, wenn es um Judo geht.

Ein Sport - Eliteschule in besonderen Zeiten

ELiteschule Stollhof

Eine Sport-Eliteschule in besonderen Zeiten

Hintergrund: Auch wenn am Heinrich-Heine-Gymnasium in Teilen der Unterricht wieder läuft, so ist die Eliteschule des Sports in Kaiserslautern doch noch weit von der Normalität entfernt. Die Einschränkungen stellen die jungen Sportler und ihre Trainer vor Herausforderungen. In einer solchen Zeit ist vor allen Dingen eines gefragt: Fingerspitzengefühl.

Kaiserslautern. Stille. Niemand, der erzählt, keine Geräusche, kein Sportler, der an den Geräten arbeitet. Es ist ein ungewohntes Bild im Athletikraum des Heinrich-Heine-Gymnasiums (HHG) in Kaiserslautern. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie ist auch an einer Eliteschule des Sports vieles anders. Dass wieder Schüler da sind, dass im Internat wieder Leben eingekehrt ist, ist ein erster Schritt Richtung Normalität. Wobei – von Normalität möchte in Kaiserslautern niemand sprechen. Und eine Prognose abgeben, wann hier der Betrieb wieder so läuft, wie es vor Corona der Fall war, kann ohnehin niemand. „Wir hoffen auf eine schrittweise Lockerung für den Sportbetrieb. Wir haben aber natürlich auch Verständnis, dass der Sport in so einer Zeit nicht an erster Stelle steht“, sagt Jan Christmann, der Leiter des Sportzweiges. Erste positive Erlebnisse gab es dieser Tage: Frank Ziegler konnte mit Bundeskader-Athleten wieder auf die Bahn nach Dudenhofen. Ein gutes Gefühl für Olympia-Kandidat Timo Bichler vom RV 08 Dudenhofen und Alessa-Catriona Pröpster, die für den RSC Ludwigshafen startet, sowie Henric Hackmann (RV Rodenbach). „Die Sportler haben die sechs Wochen gut überbrückt“, sagt Ziegler. Ergometer, Kraftraum, Kilometer auf der Straße hieß das Ersatzprogramm. „Was aber fehlt, ist die soziale Komponente, die sehr wichtig ist“, weiß der Trainer. Über Videokonferenzen wurde versucht, so gut es geht Kontakt zu halten. Für den Trainer ebenfalls wichtig: sportliche Ziele. Das sei ohne Wettkämpfe schwierig. Keine deutsche Meisterschaft in Köln, keine Junioren-WM in Kairo. Bislang verschoben. Die Hoffnung auf Titelkämpfe hat Ziegler noch nicht aufgegeben. „Ich würde es begrüßen, wenn Landeskaderathleten auch wieder trainieren könnten. Wir haben sehr talentierte junge Leute, die derzeit nicht wie die Bundeskaderathleten trainieren dürfen.“ Das sei aber in einer Phase der Entwicklung wichtig. So sieht es auch Josef Schüller, der nicht nur die Straßenradfahrer trainiert, sondern Internatsleiter ist. „Auf der Straße ist alles abgesagt worden. Uns ist die Perspektive total weggebrochen.“ Als Beispiel nennt der Bundestrainer Lea Waldhoff von der RIG Vorderpfalz, deutsche Meisterin der Juniorinnen im Omnium. Für sie stellt sich auch die Frage, wie es nun weitergeht. Eigentlich bräuchte sie Ergebnisse, um in einen Rennstall zu kommen. „Bei den Frauen ist das noch einmal schwieriger“, sagt Schüller. Gerade der Übergang vom Junioren- in den Aktivenbereich ist auch ohne Corona schon eine Herausforderung. Einige nehmen über die Onlineplattform „Zwift“ an einer virtuellen Rad-Bundesliga teil. Rolle statt Asphalt. Im Nachwuchsbereich war dieses Jahr die deutsche Meisterschaft in Bolanden am Donnersberg ein großes Ziel – fast ein Heimspiel für das HHG. „Für uns wäre das vom Profil her eine gute Strecke gewesen“, sagt Schüller. Bei den Badmintonspielern ist die Situation noch schlimmer. Während Radfahrer zumindest unterwegs sein können, dürfen diese nicht in die Halle. „Wir gestalten jedes Training anders, so dass neue Reize da sind“, berichtet Trainer Christian Stern. Seine Befürchtung: Dass bei so manchem Sportler während der Corona-Pause die Motivation verloren geht. „Ich hoffe, dass wir bald wieder in der Halle trainieren können. Gerade in unserer Sportart können wir alle Richtlinien einhalten“, sagt der Projekttrainer des Badmintonverbandes Rheinhessen-Pfalz. Videotraining gehört mittlerweile zum Programm. Markus Berndt hatte gehofft, dass für seine Fußballer eine Ausnahmegenehmigung ähnlich der Profis möglich ist – Training in Kleingruppen, Einhaltung der Abstandsregeln. „Auf dem Gelände der TSG Kaiserslautern mit mehreren Plätzen wäre das gegangen.“ Aber eine Sonderregelung gibt es für die Sport-Eliteschule nicht. „Das tut mir weh für die Jungs.“ Berndt hat zudem im Unterricht schon digitale Wege eingeschlagen. In seiner Sporttheorie-Gruppe ist eine Schülerin aus Bulgarien, die derzeit nicht nach Deutschland darf, so aber doch irgendwie dabei sein kann. „Wir wollen für unsere Sportler und auch die anderen Schüler das Beste erreichen“, betont Schulleiter Ulrich Becker. Im Verhältnis gut gehe es derzeit den Tennisspielern, die – wenn auch mit Vorgaben – auf dem Platz trainieren können, sagt Jan Christmann. Besonders schwierig sei es dagegen im Judo. „Wir brauchen in dieser Zeit ganz viel Fingerspitzengefühl. Wir bauen keinen Druck auf, sondern versuchen zu motivieren“, betont Schüller. 160 Schüler werden am Gymnasium derzeit wieder unterrichtet, wie Becker berichtet. Im Internat, das während der Corona-Pause geschlossen war, sind knapp 40 Zimmer wieder belegt. „Alle mit Einzelbetten“, sagt Schüller. 155 Internatsschüler sind es sonst. Hier wurde ein spezielles Hygienekonzept erarbeitet. „Wir haben unglaublich gerödelt, dass wir an der Schule den Betrieb wieder aufnehmen konnten“, erzählt der Internatsleiter. Das bestätigt der Schulleiter: „Es läuft richtig gut.“ Dass der Bund am Mittwoch angekündigt hat, den Startschuss zur Wiederaufnahme des Sport- und Trainingsbetriebs im Breiten- und Freizeitsport in Deutschland geben zu wollen, ist ein weiterer Schritt zur Normalität. In der Hoffnung, dass es diese an der Eliteschule des Sports wieder geben wird.

 

Auftakt in Dudenhofen